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So lebt die Schweiz #1: Ein Pool auf dem Dach

Aktualisiert: 17. Okt 2018

Ganz und gar nicht langweilig ist es in den Schweizer Stuben! Wer jetzt an alte Holzschränke oder Teppiche in den Wohnzimmern denkt, hat seine Rechnung nicht mit den Menschen gemacht, die wir in der Serie „So lebt die Schweiz!“ vorstellen möchten. Allesamt sind kreative Köpfe, die ihr Zuhause nach ihrem Geschmack eingerichtet haben. Sei es im amerikanischen oder im skandinavischen Style. Oder wie wäre es mit einem Pool auf dem Dach? Den findet man nämlich bei dem GURD-Mastermind V.O. Pulver. Er hat nicht nur ein eigenes Tonstudio daheim, er verbringt auch am liebsten seine Freizeit an einem ganz besonderen Gewässer. Ich habe mit ihm gesprochen und ihm dabei auf den Zahn gefühlt - nicht nur zur Einrichtung, sondern auch zur Schweizer Musikszene.



Die Schweizer Musikszene ist überschaubar, doch GurD gehört seit 1994 zum festen Bestandteil. Woran liegt dies deiner Meinung nach?


Hm, wohl hauptsächlich am eisernen Durchhaltewillen, aber Spass beiseite: Ich denke unsere konstanten Veröffentlichungen und Tourneen über die letzten 24 Jahre haben uns schon einen gewissen Status eingebracht und uns somit auch zu einer Art ‚Aushängeschild‘ der Schweizer Metal-Szene gemacht. Ob das heutzutage immer noch so ist, sei mal dahingestellt. Die Zeiten ändern sich und man geht leider schnell vergessen.


Wann hast Du das Little Creek Studio gegründet und welche Bands hast du neben deiner eigenen hier bereits auf Platte verewigen können?


Das Little Creek Studio wurde 2002 gegründet und über all die Jahre hatten wir viele Bands hier und im neuen Studio in Ormalingen/BL (seit 2016) zu Gast.

Die bekanntesten sind sicher DESTRUCTION, PRO-PAIN, PÄNZER, VENDETTA, NERVOSA und natürlich auch viele CH-Bands wie BURNING WITCHES, EMERALD, GONOREAS, PURE INC., THE ORDER, BATALLION, AZIZ, ANGRY AGAIN, WOLF COUNSEL, TINTA LEAL, KING ZEBRA, PIGSKIN, BITCH QUEENS, ZAMMARRO, LIVE WIRE, THE FORCE und viele mehr. Die Liste würde noch ewig weitergehen ...

Ich bin schon ein wenig stolz, dass ich mit meinem Studio einen Beitrag zur Schweizer Metal Szene leisten kann/konnte und freue mich auf jede weitere Produktion!


Die Musikszene hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Wie würdest du die Schweizer Musikszene heutzutage erklären?


Verhältnismässig zur Bevölkerungsanzahl gibt es in der Schweiz, glaube ich, schon sehr viele Bands und Künstler. Allerdings ist es in dem kleinen Land halt auch schwer permanent live präsent zu sein und sich einen Status zu erspielen, zumal ja auch noch verschiedene Landessprachen die Schweiz unterteilen. Was allerdings die CH-Szene schon immer ausgezeichnet hat, ist eine Innovation und ein gewisses Mass an Mut zur Eigenständigkeit. Sieht man ja im Moment auch an Zeal & Ardor. Trotzdem ist es durch den Zusammenbruch der Musikindustrie heutzutage echt schwer, eine neue Band zu etablieren und wenigstens noch ein bisschen was zu verdienen. Es gibt keine Vorschüsse mehr von Plattenfirmen, die Gagen (wenn es denn noch welche gibt) sind ein Witz und es setzt sich vermehrt ‚pay to play‘ durch, was ich ganz schrecklich finde. Tja, das Publikum kauft sich halt leider lieber einen Kaffee bei Starbucks als für einen Song oder ein Album zu bezahlen. Und die Peanuts welche beim Streaming für den Künstler hängenbleiben kann man auch knicken.

Also eigentlich düstere Aussichten für junge Bands. Bleiben halt noch der Spass an der Freude und die klitzekleine Hoffnung, dass es in Zukunft vielleicht doch wieder besser wird.


Es ist immer praktisch, wenn man von zu Hause aus arbeiten kann. Wie kam es dazu?


Unser Bassist Franky hatte früher ein mobiles Studio. Damit ist er bei Bands in den Proberaum und hat Aufnahmen gemacht. Er machte damals auch ein Demo für GURD (er war damals noch unser Live-Mischer). Später, als er bei GURD eingestiegen war, kam die Idee auf, das Studio fix an einem Ort zu installieren. Ich konnte dann einen alten Öltankraum im Nebengebäude mieten und wir machten uns daran, ein kleines Tonstudio für unsere eigenen Sachen zu bauen. Noch während des Umbaus sprach sich das rum und wir hatten die ersten Anfräge von Bands. Am letzten Tag, als wir die letzten Stecker eingestöpselt hatten, kam auch schon die Band PORNCHILD zur Tür herein und wir legten mit unserer ersten Produktion los! Mittlerweile habe ich eine neue Location im Industrieareal Maloya zwischen Gelterkinden und Ormalingen gefunden. Über dem alten Studio wurden Wohnungen gebaut und das wäre lärmtechnisch nicht mehr zu machen gewesen. Dafür habe ich nun aber auch weitaus mehr Platz!


Gibt es jemanden, den du gerne einmal treffen und mit dem du zusammenarbeiten möchtest?


Ja, ich würde gerne mal eine Platte mit Martin Birch (Deep Purple, Maiden, MSG und viele andere) als Produzent machen. Leider hat er sich schon vor Jahren zur Ruhe gesetzt und ich denke auch nicht, dass er Interesse an einer Zusammenarbeit hätte.


Was gefällt dir am besten an deinem Zuhause und wie würdest du deinen Geschmack bezeichnen?


Das ist ganz bestimmt unser Dachgarten mit dem geilen Pool und dem Grill! Ich verbringe im Sommer fast jede freie Minute da oben. Es sind quasi Ferien im eigenen Zuhause!

Meinen Geschmack? Hmmm, ich denke ich bin da eher pragmatisch in Sachen Interieur. Für das Ästhetische ist eher meine Frau zuständig.


Wie wichtig ist dir das Interieur und hast Du ein Lieblingsstück?


Ehrlich gesagt bin ich da nicht so heikel, aber mein Lieblingsstück ist definitiv meine Gibson Les Paul Pearly Gates Re-Issue, da gibt es nur 350 Stück von und sie sieht einfach traumhaft aus.



Nicht jeder hat einen Pool auf dem Dach. Wie kam es dazu?


Unser Vermieter, der selber früher in der Wohnung gewohnt hat, baute den Pool für seine Frau. Diese hatte einen Reitunfall und das Beste für Ihren lädierten Rücken war das Schwimmen. Also hat er Ihr den Pool auf das Dach gezimmert.


Was können wir demnächst von Dir erwarten?


Im Moment bin ich neben den ganzen Produktionen und Mixes, welche ich für andere Bands mache, noch am Abschluss einer neuen PULVER-Platte. Dann nehmen wir mit POLTERGEIST ein neues Album in Angriff. Mit GURD hatten wir grad kürzlich die Propaganda Baby-EP rausgebracht. Es gibt immer was zu tun!


Zum Schluss möchte ich dich gerne noch um einen Insidertipp bitten. Kannst du eine neue Band empfehlen, welche du erst entdeckt hast?


Das ist schwer! Ich höre eigentlich privat fast nur noch alte Kamellen aus meiner Jugend, da ich neue Musik ja tagtäglich im Studio um die Ohren gehauen kriege.

Aber von den Bands, welche ich hier in letzter Zeit produziert habe, wird man sicherlich noch viel hören. Sei das BURNING WITCHES oder HAK, INFINITAS, ANGRY AGAIN, MIND PATROL, BROKEN FATE, KLAW… und wieder eine unaufhörliche Liste.



HINWEIS

V.O. habe ich durch die Metalszene 2005 kennen gelernt. Damals war ich in dieser noch als Moderatorin tätig und interviewte unter anderem seine Band, aber besuchte auch Konzerte, Festivals und die Band Destruction in seinem Studio. Ich möchte ihm recht herzlich für das Interview danken. Horns up, V.O. und weiterhin viel Erfolg!

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