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Das Leben ist hart, aber … mein neues Buch ist da!

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Anfang des Jahres wurde bei mir ein Gehirntumor diagnostiziert. Man kann sich vorstellen, was dies erst für ein Schock war, vor allem für meine Familie und Freunde. Alle sind erst einmal in eine Art Ohnmacht gefallen, doch mir war schnell klar, dass ich nun erst recht an meinem Optimismus festhalten wollte. Auch wollte ich aufklären und betroffenen Menschen Mut machen. So entstand mein neues Buch "Das Leben ist hart, aber ich bin härter! Wie mich ein Gehirntumor daran erinnerte, an meinem Optimismus festzuhalten." (ISBN 9783749455874), welches am 28. August 2019 via BOD erschienen ist und von welchem ein Teil des Erlöses an die Hirnforschung geht.


In dem Buch erzähle ich jedoch nicht nur von meinen Erfahrungen, ich gebe auch Tipps. So unter anderem, wie man seinen Kindern durch die schwere Zeit hilft, aber wie man zum Beispiel auch seinen eigenen Optimismus nicht verliert.


Und einen kleinen Ausschnitt aus dem Buch möchte ich Euch gerne hier präsentieren:



Inhaltswarnung

Dieses Buch enthält die Erzählung einer Erkrankung sowie deren Verlauf mit Bildmaterial, welche von manchen Lesern möglicherweise als verstörend empfunden werden könnten.


Der Leser ist hiermit ausdrücklich gewarnt.


Vorwort


Hi, ich bin Anne.


Ich bin ein ziemlich hartnäckiger, kleiner Organismus, welcher sich nicht so leicht unterkriegen lässt!


Doch ich muss an dieser Stelle gestehen, dass auch ich nicht immer so unbeschwert war, wie ich es heute bin. Und selbst heute habe ich Momente, in denen mir schier alles zu viel wird.

Wenn es jedoch eine Sache gibt, die mir immer geholfen hat, dann ist dies schreiben.


Ich habe demnach schon im Laufe meiner Schulzeit einige Notizhefte (und ich gebe zu, auch Schulhefte), Tagebücher und auch einzelne Zettel vollgeschrieben, welche nun in einer Kiste im Keller stehen und wo meine geistigen Ergüsse ruhen.


Wirklich ansehen tue ich mir diese sehr selten, doch letztens sind mir wieder einige Gedichte von damals in die Hände gefallen.


Und mit einem dieser Gedichte möchte ich dieses Buch gerne beginnen.


Tote Meere


Leise haucht der Wind entlang.

Alles ist still und niemand kämpft um den ersten Rang.

Fliehende Wärme strömt aus dem Land.

Stickende Einsamkeit ist alles, was man fand.


Tote Meere kreuzt man nicht.

Verstecktes Leben findet sich nicht.

Tote Meere lässt man sterben.

Nur mit schwarzer Farbe lassen sie sich färben.


Kein Stein bewegt einen Ton.

Jämmerliches Weinen verhöhnt den Lohn.

Alles Leben verkümmert dort.

Schwerfällig ziehen die Wellen an einen anderen Ort.


Tote Meere kreuzt man nicht.

Verstecktes Leben findet sich nicht.

Tote Meere lässt man sterben.

Nur mit schwarzer Farbe lassen sie sich färben.


All die Liebe weicht vom Platz.

Auch die Sonne macht einen Satz.

Aufkommende Liebe ist nicht in Sicht.

Ein Sonnenstrahl findet sich nicht.


Tote Meere meidet man.

Offene Traurigkeit, die man sehen kann.

Tote Meere sterben für sich.

Aber mit Farbe färbt man sie nicht.


Dieses Gedicht habe ich geschrieben, als ich noch recht jung und mit mir und mit meinem Leben, mit meinen Gedanken und meinem Ich, nicht im Reinen war. Ich suchte, wie es wohl als Jugendlicher normal ist, nach meinem Platz im Leben. Meine Träume waren gross, doch noch mehr meine Sorgen und Ängste. Der Optimismus wurde mir auch nicht unweigerlich in die Wiege gelegt, aber wohl doch der Überlebenswille.


Menschen können in der Tat etwas erleben, was sie schirr zu unglaublichen Kräften kommen lässt.


Da schiesst mir immer die Geschichte von Werner Doehner, dem letzten Überlebenden der Hindenburg, in den Kopf, der mit seinem Bruder von der Mutter aus dem brennenden Inferno hinausgeworfen wurde. Diese sprang dann hinterher und brachte ihre Kinder mit doppelt gebrochenem Beckenbuch in Sicherheit. (1)


Man mag sich fragen, wie sie das gemacht hat, doch der Körper scheint in der Tat auf den Überlebensmodus zu schalten, wenn man einer Gefahr ausgesetzt ist. Und es erstaunt mich jedes Mal auf das Neue, was er dabei alles leisten kann.


Da ich aber nur ein Plankton im hiesigen Menschenmeer bin, werde ich nun niemanden mit meiner Lebensgeschichte belästigen.


Man wird aber in dieser Erzählung merken, warum ich nicht auf Vergangenes zurückblicke, was mich zu dem Menschen macht, der ich heute bin und warum es so wichtig ist, sich ab und an wieder das ins Gedächtnis zu rufen, was man eigentlich schon als gegeben hinnimmt.

Denn sind wir ehrlich: Das Leben ist hart, oder kann hart sein. Je nachdem, was einem passiert, wie man es sieht und wie man sich angesichts solcher Situationen verhält. Ganz wichtig ist jedoch eine gesunde Grundeinstellung. Und diese habe ich mit der richtigen Portion Optimismus, welche in meinem Leben eine grosse Rolle spielt.


Glück und damit verbunden sich glücklich zu fühlen, fängt immer bei einem selber an. Man kann niemand anderen glücklich machen, wenn man es selber nicht ist. Und es hat auch nichts mit Egoismus zu tun, wenn man sich mal auf sich konzentriert und das tut, was der Seele und dem Körper gut tut. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Wir funktionieren nicht auf Knopfdruck und selbst Maschinen brauchen ab und an eine Wartung.


Doch ist es und kann es immer so einfach sein?

Die Kurzantwort lautet: Nein!


Doch wie die Geschichte von Ebenezer Scrooge (2) zeigt, hat auch er sich ändern können. Hierzu benötigt man nun keine drei Geister, die einem aufzeigen, was man erlebt hat und was noch kommt, um im besten Fall daraus zu lernen. Der Anfang ist jedoch nicht ganz so schlecht.


Setzen wir uns also anhand einer noch recht aktuellen Geschichte von mir mal mit dem Thema Optimismus auseinander und warum ich mich als eine hoffnungslose Optimistin betitle. Es hat mir jedoch in jeder Lebenslage (oder wie in meiner Geschichte aufzeigend) geholfen.


Aber ich zeige auch auf, warum es für einen gesunden Geist wie Körper wichtig ist, nicht immer "den Teufel an die Wand zu malen". (3)


Natürlich weiss aber auch ich, dass aus einem Schwarzmaler über Nacht keine Frohnatur wird. Vor allem nicht über Nacht und wenn man das Gefühl hat, dass die ganze Welt über einen zusammenbricht.


Und in der Tat, es scheint oft so zu sein, dass das Leben einem mehr Steine in den Weg räumt, als man wegschleppen kann.


Das Leben ist nun einmal unvorhergesehen.


Und es gibt Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre, in denen man sich schlichtweg fragt, was eigentlich los ist. Nichts scheint einem zu gelingen, die Sorgen scheinen einen zu erdrücken und es sind einfach schwere Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre.

Auch für mich waren die letzten Monate nicht gerade einfach, dabei hat sich vor allem vieles in meinem Kopf abgespielt.


Im wahrsten Sinne des Wortes!


Du, ich hab da was im Kopf!


„… Irgendetwas passierte in mir. Seit ich wusste, dass es August gab, lebte ich mit noch mehr Ehrfurcht. Zwar war ich vorher schon mit meinem Leben zufrieden und vor allem für vieles dankbar, doch durch das Wissen seiner Präsenz verstärkte sich einmal mehr der Wille, an meinem Optimismus festzuhalten.“

Alles fing während meiner Schwangerschaft im Jahr 2012 an.


Zu der Zeit war ich jedoch mit anderen Dingen beschäftigt, zum Beispiel schwanger zu sein und alles für die Ankunft meines Wunschkindes vorzubereiten. Ich hatte auch glücklicherweise keinerlei Beschwerden, bis auf zwei Hörstürze und die Vor- und Senkwehen im letzten Schwangerschaftsmonat, welche ich aber dem körperlichen Stress sowie dem normalen Ablauf einer Schwangerschaft zuschrieb.


Vor allem bei den Hörstürzen meinte mein damaliger Arzt, „dass man während einer Schwangerschaft wenig dagegen tun kann“. Ich machte mir dann keine weiteren Gedanken und hatte auch keinerlei seltsame Gelüste. Auch arbeitete ich bis eine Woche vor Ankunft meines Kindes, was jedoch in der Schweiz normal ist. Da arbeitet man in der Tat, bis das Kind auf die Welt kommt – vorausgesetzt, der Schwangeren geht es natürlich gut und wurde vom Arzt nicht krankgeschrieben.


In der letzten Woche durfte ich es mir jedoch zu Hause gemütlich machen und einen Tag nach dem errechneten Geburtstermin hatte ich wieder diese beschwerlichen Vorwehen. Zumindest dachte ich dies.


Ich war gerade im Wohnzimmer und hörte den Song „Green Pale Ghost“ von John Grant (4), der mich richtig hypnotisierte. Ich hörte den Song gefühlt 100mal und neben mir sassen unsere damals noch lebenden drei Hauskatzen. Sie schauten mich die ganze Zeit mit grossen Augen an, als ich den Bauch im Takt hin- und herwippte. Ich denke jetzt im Nachhinein, sie ahnten, dass es bald losgehen würde.


Als die Wehen stärker wurden, rannte ich um unseren Esszimmertisch, denn es half mir, wenn ich mich bewegte. Es sah aber bestimmt zum Schiessen komisch aus!


Mein Mann arbeitete zu dieser Zeit auswärts und kam an diesem Samstag gegen 13 Uhr nach Hause. Die Wehen waren bereits seit 10 Uhr morgens stärker geworden und ich rief im Krankenhaus an.


Die Hebamme meinte, ich solle vorbeikommen und so sind wir um 14.30 Uhr ins Spital, wo meine Tochter fünf Stunden später das Licht der Welt erblickte. Und dies punktgenau zu meinem Lieblingssong „The Strangest Thing '97“ von George Michael (5).


Mein Mann wollte vorgängig eine Metal-CD laufen lassen, doch ich hatte Angst, dass der Geburtsarzt wie auch die Hebamme fluchtartig die Stätte verlassen würden. So griff ich nach einer CD von einem Lieblingssänger von mir und alle wippten vergnügt im Takt.

Und als mein Kind da war, war ich in meinem ganzen Leben nie stolzer, etwas so Schönes (fast) eigenständig gemeistert zu haben!


Die Jahre vergingen danach wie im Flug und nebst einigen Erkältungen und Grippen, die mich ab und an einholten, ging es mir wie meinen Liebsten eigentlich ganz gut. Ich war auch zu beschäftigt, als mir darüber viele Gedanken zu machen, ob ich nun krank war oder nicht.

Mein Hauptaugenmerk lag auf meinem Kind.


Trotzdem war ich ab und an beim Arzt, denn ich fühlte mich seit der Geburt meines Kindes recht schlapp und müde. So begann ich, einiges auszuprobieren, um mein Immunsystem zu stärken. Ich dachte nämlich, dass ich durch die Geburt in der Tat ein geschwächtes Immunsystem erhalten hätte, denn ab 2015 wurde es beschwerlich.

Hinzu kamen Augenprobleme, wie eine chronische Blepharitis, eine Augenlidrandentzündung.


Aber 2018 toppte alles!


Es war ein etwas, ich möchte sagen, bescheidenes Jahr. Es war das Jahr, in dem ich auseinander zu fallen drohte. Ich fühlte mich in der Tat wie eine zusammengesetzte Gestalt von Viktor Frankenstein. (6)


Angefangen hat es mit einer Übelkeit, welche mich mitten in der Nacht aufschrecken liess und mich für Stunden im Bad festhielt.


Dieser folgten andauernd grippeartige Symptome, immer begleitend mit Fieber und auch Schweissausbrüchen.

Und ab und an war ich froh, keine Giraffe zu sein, denn ich hatte fast jeden Morgen nach dem Aufstehen einen steifen, schmerzenden Nacken, der meinen Radius enorm einschränkte.


Kurze Zeit später hatte ich einen Tinnitus im rechten Ohr, der erst ein Zirpen und dann ein Dauerrauschen war, ehe ich auf diesem Ohr gar nichts mehr hörte.


Auch fingen plötzlich neurologische Ausfälle an, die ich mir nicht erklären konnte. Nach jahrelangem Augenleiden, welches mich manchmal wie Dracula (7) auf Koks aussehen liess, kamen auch noch diese Hör- und Gleichgewichtsprobleme hinzu, begleitet mit einem Drehschwindel, der mich unkontrolliert gegen Gegenstände oder Menschen laufen liess und nicht einmal aufhörte, wenn ich im Bett lag.


Es schien, als ob ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte und meinen Gang nicht mehr koordinieren konnte. Zuerst lachte ich darüber, denn ich fragte mich, ob mit meinen Beinen etwas nicht stimmte. Auf die Idee, dass mein Kopf womöglich nicht mitspielte, kam ich gar nicht.


Zu der Zeit konnte mein Mann aber bereits an einer Hand abzählen, an welchen Tagen ich mal nicht krank war. Und wenn er am Wochenende daheim war, hütete ich das Bett und versuchte, mich so gut es ging zu schonen.


So dümpelte ich dahin und war langsam physisch wie psychisch ziemlich am Limit.

Und obwohl ich seit 2017 Dauergast beim Augenarzt war, ging ich im März 2018 mal wieder zum Hausarzt.


Und danach sass ich fast jeden Monat im Wartezimmer.


Mittlerweile war es mir schon egal, was man mir gab. Nur her damit! Ich nahm Antibiotika, Kortison und andere Hämmer.


Zwar brachten sie eine vorübergehende Besserung meiner Symptome, aber eben nur vorübergehend. Der Arzt, den man mir in der Gemeinschaftspraxis auf das Auge drückte, war noch jung und kam gerade frisch von der Universität.


Er hatte noch nicht seinen Doktor gemacht, aber dieses überhebliche Grinsen auf den Lippen als er mir sagte, „dass man als Mutter eben öfter krank sei, denn Kinder schleppen nun mal allerhand Viren mit nach Hause.“


Ich schaute wohl wie ein Karnickel, wenn es donnert, denn er schien mich nicht ernst zu nehmen. So schaute ich zur meiner damals fünfjährigen Tochter und wunderte mich, ob sie wohl immer „Hier!“ schreien würde, damit Bakterien und Viren sich in unserem Haushalt breit machen konnten. Komisch aber, war immer nur ich krank, nie mein Mann (Gott sei Dank) oder mein Kind (Doppel Gott sei Dank).


Ich sagte dem Arzt dann, dass ich ständig Fieber hätte und dass dies ja nicht ganz normal sei. Letztlich weiss selbst ich als Nichtmedizinerin, dass der Körper gegen irgendetwas ankämpft, wenn man auf mir sogar hätte rohe Eier braten können.

Auch die ganzen anderen Symptome passten nicht ganz zum Krankheitsbild einer Grippe. Zumindest dachte ich das. Aber was weiss ich schon? Ich habe ja nicht Medizin studiert und dies liess mich der Arzt auch spüren.


„Ein MRT oder CT würde zu teuer kommen und würde sicher nichts bringen.“, war seine Antwort. So redete ich mir weiterhin ein, dass seit der Geburt meines Kindes wohl in der Tat mein Immunsystem geschwächt sei.


Zumindest war der Arzt aber bereit, an mir einen Allergietest durchzuführen. Was dieser nun mit meinen Beschwerden zu tun hatte, wusste ich zwar nicht, aber ich war immerhin dankbar, dass er irgendetwas testete. Und wie nicht anders zu erwarten und was ich eigentlich schon wusste, war ich gegen einige Gräser und Hausmilben allergisch. Also wechselte ich alle drei Tage meine Bettwäsche und wegen den Nackenschmerzen kaufte ich sogar neue Kissen. Aber auch das half nichts.


Wegen meinem Ohr leitete mich der junge Arzt dann noch an einen Ohrenarzt weiter, denn noch immer hörte ich auf dem rechten Ohr nichts. Den Termin hatte ich aber erst drei Wochen später und obwohl mein Ohr nicht mehr funktionierte, hörte ich auf diesem 24 Stunden lang ein Zirpen.


Als ich endlich den Ohrenarzttermin hatte, war der Ohrenarzt an der Laune nach zu beurteilen überarbeitet, denn das Wartezimmer war voll und als die Assistentin drei Stunden brauchte, um einen Schwindeltest bei mir durchzuführen, bin ich ebenfalls schlecht gelaunt aus der Praxis raus und fühlte mich einfach nur düpiert.


So vergingen einige Monate. Ohne Ergebnis, aber weiteren Antibiotikapillen gegen mein Fieber, einem unkontrollierbaren Drehschwindel und einem mittlerweile schrillen 24-Stunden-Klingelton im rechten Ohr.


Im Sommer besuchte ich dann meine Familie in Deutschland. Zu dieser Zeit war mein Gleichgewichtssinn dermassen ausser Kontrolle, dass ich mich ohne Licht im Dunkeln gar nicht mehr bewegen konnte. Aber auch mit Licht bin ich ständig irgendwo gegengerannt. Doch das Licht tat wiederum meinen Augen nicht gut. Diese waren dermassen rot und geschwollen, dass ich Schmerzen hatte. Auch war ich mal wieder krank. Meine Familie liess mich dann notfallmässig bei ihrem Ohren- sowie Augenarzt vorsprechen. Der Augenarzt meinte, ich bräuchte Hilfe von einem Hornhautspezialisten und der Ohrenarzt gab mir eine Hörgeräteverordnung mit.


Da war ich nun wieder.


Herumtorkelnd wie eine einseitig gehörlose Betrunkene mit Fieber, die immer noch aussah, als ob sie gleich aus allen Latschen kippen würde. Mir fehlten weiterhin die Antworten, was mein Körper da eigentlich gerade fabrizierte.


Wieder in der Schweiz bin ich dann erst einmal in die Augenklinik. Mein Augenarzt hatte mal wieder Ferien, weswegen ich an einem Sonntag notfallmässig in die Klinik bin. Bei der Anmeldung misste man mir die Temperatur und die Assistentin meinte, dass ich Fieber hätte. Sie zeigte mir das Fieberthermometer während ich auf dem Stuhl vor ihr sass und mit den Schultern zuckte. „Ich weiss, das ist nichts Neues.“, winkte ich ab.


Nach vierstündiger Wartezeit schaute dann die Oberärztin in meine Augen und realisierte eine Hornhautverletzung, welche man dann versuchte zu behandeln. Zwischen zwei bis vier Mal wöchentlich musste ich in die Augenklinik und dies über Monate. Ich bekam Augentropfen, welche aus meinem eigenen Blut gewonnen wurden und ich „freute“ mich schon auf die Rechnung der Behandlungen. Aber obwohl die Augen etwas besser wurden, blieben die anderen Symptome gleich. So gab ich mir einen Ruck und ging im Winter 2018 noch einmal zu dem Ohrenarzt.

Jeder verdient eine zweite Chance, oder?


Zu meiner Überraschung war das Wartezimmer leer und der Ohrenarzt sehr freundlich. Erst machten wir einen Hörtest und er kam mit einem bemitleidenswürdigen Blick und der Bemerkung „Sie sind auf dem rechten Ohr taub.“ auf mich zu.


Ach, sagen Sie bloss!, wollte ich schon fast sagen, verkniff es mir jedoch.


Ein Schwindeltest gab es auch wieder, aber er blieb auch dieses Mal ergebnislos. Die Symptome passten dem Ohrenarzt nun auch nicht zusammen und so meinte er, dass er mich zu einem MRT-Termin anmelden würde. „Nur, um sicher zu gehen, dass nicht etwas anderes dahinterstecken würde.“


Ich sagte zu, wusste aber nicht ganz, was dabei herauskommen sollte. Anscheinend machen dies die Ohrenärzte, wenn man derartige Symptome hat wie ich.


Nun gut …


Also ging ich am Montag, den 07. Januar 2019, zum MRT (Magnetresonanztomographie). Immer noch dachte ich, dass dabei nichts herauskommen würde und ich freute mich, dass mich eine Freundin begleitete. Sie hatte an diesem Tag frei, doch arbeitet sie vor Ort als Röntgenassistentin.


Zuerst musste ich mich in einer Garderobe bis zur Unterhose ausziehen und einen Patientenkittel anziehen. Also solch einer, der hinten offen ist und nur durch eine kleine Schleife zusammengebunden werden konnte. Da ich so zierlich bin, hätte ich mit dem Kittel zum Tanzen gehen können.


Beim MRT selber war es dafür aber zu kalt, doch das Gerät stand mittig in einem Extraraum und ich legte mich auf eine Trage, die dann in das Gerät hineingefahren wurde. Ich habe keine Platzangst, aber für Menschen, die darunter leiden, muss es grausam sein. Die Enge war selbst für mich unangenehm.


Erst wurden die Bilder ohne das Kontrastmittel gemacht, danach wurde es mir gespritzt. Davon habe ich nicht viel mitbekommen, denn es tat weder weh, noch war es unangenehm. Die ganze Prozedur sollte eine halbe Stunde dauern, ich lag jedoch 45 Minuten in der Röhre und hielt dabei die Augen geschlossen. Zwar hatte ich Kopfhörer mit Musik auf, doch das MRT übertönte alles. Das Gerät ist so unglaublich laut, als ob man neben einem Presslufthammer stehen würde.


Als mir die nette Assistentin letztlich aus dem MRT half, war ihr anfängliches Lächeln verstummt. Während sie mir den Zugang aus dem Arm zog sagte sie, „dass der Radiologe noch mit mir sprechen möchte. Bei dieser Gelegenheit würde er mir auch die Bilder zeigen.“ Ich bedankte mich bei ihr und zog mich in der Garderobe wieder um.


Immer noch nicht an etwas Schlimmes denkend, ging ich zu meiner Freundin in den Warteraum. Sie erwartete mich bereits und wir gingen zusammen zum Radiologen. Auch er erwartete mich bereits und hatte sich meine Bilder angeschaut. Wir begrüssten uns und ich setzte mich neben ihn. Der Raum war recht dunkel und vor ihm standen drei grosse Bildschirme. Meine Freundin sass etwas mittig hinter uns und fing bereits an zu schluchzen.

Ich schaute auf den Bildschirm und sah eine Menge Bilder eines Gehirns mit einem weissen, ungewöhnlichen Objekt in diesem. Mein erster Gedanke war: „Das gehört dort nicht hin.“ In dem Moment hörte ich die Stimme des Radiologen:


„Ich habe mir Ihre Bilder angeschaut und ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie einen Gehirntumor haben.“




Genau in diesem Moment fühlte sich mein Kopf an, als ob er mit Watte ausgestopft war.


Mein Lächeln musste verstummt sein und so auch meine Wörter, denn ich wusste gar nicht mehr was ich denken, geschweige denn sagen sollte. So fuhr der Radiologe fort, der mir gleich versicherte, dass er glaubt, dass es sich um einen gutartigen Tumor handeln, aber wegen seiner Grösse herausoperiert werden musste. Bevor er dies sagte, fragte ich mich, ob ich „das Ding“ mit Medikamenten wegbekommen würde, doch das war wohl ein etwas naiver Gedanke. Ich schaute den Übeltäter auf dem Bildschirm an und fragte mich, wie der da wohl hineingekommen wäre.


Der Radiologe fuhr fort, dass es „einen ganz tollen Neurochirurg gäbe, der eine Koryphäe auf dem Gebiet der Entfernung von Gehirntumoren wäre“. Auch meine Freundin stimmte zu und beide bestärkten mich, in dem sie mir gut zuredeten und meinten, ich solle zu ihm gehen. „Er ist auch sehr menschlich.“, meinte meine Freundin und drückte meine linke Hand.


Ich hoffe, Euch hat dieser kleine Einblick in mein neues Buch gefallen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mit dem Kauf die Hirnforschung unterstützen würdet. Ein Teil des Erlöses geht nämlich an die Hirnliga Schweiz. Das eBook findet Ihr unter anderem HIER.


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